Stellen Sie sich mal vor, ähm es ist Freitagabend, 20 Uhr.
Mhm. Klassische Zeit für sowas.
Genau. Ein Dachdeckermeister schaut auf sein Smartphone, da kommt eine Nachricht, also von einem Kunden. 120 m² Biberchwanzziegel, alte Dämmung erhalten.
Und er weiß sofort, was zu tun ist
in exakt 30 Sekunden. Ja, sein Fachgehirn hat das sofort parat, aber und das ist die große Frage unserer heutigen intensiven Betracht. Warum sitzt er dann anschließend noch zwei Stunden am Schreibtisch, um ein Angebot zu tippen? Willkommen zu unserer Analyse. Lassen Sie uns dieses Paradoxon mal entwirren.
Sehr gerne. Also dieses Paradoxon entsteht, weil wir hier handwerkliche Expertise mit äh repetitiver Büroarbeit verwechseln. Wenn wir die vorliegenden Unterlagen analysieren, sehen wir ganz klar, der Handwerker verbringt die Zeit ja gar nicht mit dem Ausdenken einer Lösung.
Sondern womit dann? Die wahren Zeitfresser sind ganz andere Dinge. Zuerst mal das Entziffern einer oft völlig chaotischen WhatsAppnachricht. Das dauert schon mal 10 bis 20 Minuten.
Oh ja, das kennt man ja.
Dann das mühsame Heraussuchen der eigenen Standardpreise, also für genau diese Biberschwanzziegel in dem Beispiel wieder 20 bis 40 Minuten.
Okay, das leppert sich
richtig und schließlich das fehlerfreie Eintippen in ein Textverarbeitungsprogramm plus noch mal 10 bis 20 Minuten für das Prüfen und Versenden.
Das ist ja, also das ist ja, es würde Ein Sternekoch 90% des Abends nur Zwiebeln schneiden.
Ein sehr passendes Bild. Exakt.
Aber da muss ich gleich mal bei Ihnen einhaken. Wir reden hier von Dachdeckern, Malern, Sanitärbetrieben. Kann ein Computersystem wirklich diese äh diese komplexe Realität auf dem Bau einschätzen? Das ist doch keine Fließbandarbeit, da gibt es doch andauernd Überraschungen.
Nein, natürlich nicht. Und genau das ist der springende Punkt. Die künstliche Intelligenz berechnet hier nicht die Statik des Dachs.
Okay.
Sie plant auch keine neue Rohrführung. Sie maßt sich laut den Unterlagen gar nicht an, die bauliche Realität zu beurteilen. Sie übernimmt buchstäblich nur das Zwiebelschneiden.
Verstehe. Aber wie genau funktioniert das dann technisch? Also, wie macht die Maschine aus? Äh, mach mal das Dach neu, ein rechtssicheres Angebot,
hauptsächlich durch Mustererkennung und einen direkten Abgleich. Das System liest diesen oft sehr unstrukturierten Text des Kunden und extrahiert die Knparameter.
Also in unserem Beispiel die 120 Quadr und die Ziegel.
Ganz genau. Und dann sucht es in den vorab hinterlegten Preislisten und Textbaust. von genau diesem einen Betrieb nach den passenden Entsprechungen.
Ah, Moment. Es erfindet also keine Preise.
Nein, überhaupt nicht. Es nutzt streng die echte Kalkulation des Inhabers. Es übersetzt quasi das textliche Chaos in eine strukturierte Kalkulation.
Das klingt logisch. Und wie sieht das dann in der Praxis für den Meister aus? Der sitzt ja am Freitagabend auf dem Sofa.
Das ist bemerkenswert unkompliziert gelöst. Die Anfrage kommt rein und das System baut im Hintergrund den Entwur Der Inhaber bekommt dann ähm einfach eine Nachricht auf sein Handy, z.B. über Telegram.
Aha.
Er sieht dann sofort eine Zusammenfassung. Stimmen die Mengen, passt der Stundensatz? Er prüft es in, sagen wir mal 2 bis 3 Minuten, drückt auf freigeben und die Software generiert ein sauberes PDF,
welches dann direkt an den Kunden geht.
Richtig, ganz automatisch.
Das klingt natürlich nach einem Traum für jeden Betrieb, aber äh wenn da sensible Kundendaten und meine harten Kalkulationszahlen verarbeitet werden. Wo liegen diese Daten?
Berechtigte Sorge.
Wenn ich mich da in die Abhängigkeit von so einem großen Softwarekonzern begebe, schnappt doch am Ende oft so eine teure Abonnementfalle zu, oder nicht?
Das ist eine extrem wichtige Frage, gerade für Unternehmer. Und was hier wirklich faszinierend ist, die Konzepte betonen ausdrücklich, dass genau das nicht passiert.
Wie wird das denn vermieden?
Das System wird auf eigenen inländischen Servern aufgesetzt, also etwa bei Ionos. oder Hetzner.
Ah, verstehe. Nicht irgendwo in einer Cloud im Ausland.
Genau. Es wird über einen Werkvertrag einmalig eingerichtet und gehört danach dem Handwerksbetrieb komplett.
Keine versteckten monatlichen Mieten.
Keine Mieten. Dafür aber voller Datenschutz und die alleinige Kontrolle über die eigenen Zahlen.
Das ist wirklich ein enormer Hebel für den Alltag. Aber ähm wo ist der Haken? Wenn die Software eigentlich nur Parameter mit einer Datenbank abgleicht, was passiert denn? Wenn die Anfrage des Kunden völlig Waage ist,
dann wird es schwierig.
Die Maschine kann ja schlecht ins Auto steigen und zum Aufmaß auf die Baustelle fahren.
Richtig, da haben Sie völlig recht. Hier stoßen wir auf die harte Grenze der Technologie. Das System macht keinen Aufmaß vor Ort.
Mhm.
Und es analysiert im Moment auch keine unscharfen Baustellenfotos. Wenn entscheidende Maße fehlen, müssen Sie als Innerhaber weiterhin den Hörer in die Hand nehmen.
Das beruhigt mich ja fast ein bisschen, dass der Mensch noch gebraucht wird.
Absolut. Und noch viel wichtiger, das ganze steht und fällt mit ihrem eigenen Fundament. Wenn ihre Preise, ihre Stundensätze und die Textbausteine nicht einmalig sauber im System dokumentiert sind, dann kann die Maschine ja nichts abgleichen.
Ohne Ordnung im Vorfeld funktioniert es also schlichtwg nicht.
Ganz genau. Wer Chaos im Betrieb hat, bekommt durch die KI nur schnelleres Chaos.
Verstehe. Die Maschine braucht also einmalig kristallklare Regeln, um danach dauerhaft die schwere Arbeit übernehmen zu können. Wenn dieses Fundament aber steht, schrumpft der Freitagabend am Schreibtisch tatsächlich von mehreren Stunden auf ein paar Klicks auf dem Smartphone zusammen.
Exakt so ist es.
Das mich zu einem Gedanken bringt, den ich Ihnen, liebe Zuhörer, heute gerne mit auf den Weg geben möchte. Wenn die Maschine ab sofort diese ganze äh zerbüroarbeit fehlerfrei erledigt und sie jede Woche etliche Stunden Lebenszeit zurückbekommen, wird dann die persönliche menschliche Beratung vor Ort bald zu einem einzigen echten Wettbewerbsvorteil, der im Handwerk noch zählt. entspannender Denkstoff für ihren nächsten, hoffentlich endlich freien Freitagabend.